Globaler Metall-Monitor: April 2026 – Märkte im Schatten des Iran-Konflikts

Iran-Konflikt, Handelsbarrieren & Versorgungsengpässe – Ein strategisches Update für die Edelstahl- und Aluminiumbranche.

Breisach am Rhein
10.04.2026
4 min
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Überblick: Die Poly-Krise verschärft sich

Die globalen Metallmärkte befinden sich im April 2026 in einem Zustand extremer Volatilität. Die Kombination aus dem kinetischen Konflikt im Nahen Osten, einer radikalen Neuausrichtung der US-Handelspolitik und der vollen finanziellen Wirksamkeit des EU-Grenzausgleichssystems (CBAM) hat die Versorgungssicherheit beendet. Während ein fragiler zweiwöchiger Waffenstillstand (seit 7. April) eine kurze Atempause bietet, bleibt die Straße von Hormus faktisch blockiert, was zu einem strukturellen Defizit bei Aluminium und massiven Kostensteigerungen bei Edelstahl führt .

Einblick 1: Aluminium – Vom Überschuss in das historische Defizit

Der Aluminiummarkt wurde durch den „Weekend of Fire“ am 28. März 2026 erschüttert. Gezielte Luftschläge auf die Al Taweelah-Hütte (EGA) in den VAE und die Alba-Anlage in Bahrain haben die regionale Produktion massiv beschädigt .

  • Produktionsausfall: Analysten erwarten, dass 2026 bis zu 3,5 Millionen Tonnen Primäraluminium vom Markt verschwinden werden . Allein die Reparaturen bei EGA könnten über ein Jahr dauern, da Elektrolysezellen eingefroren sind .
  • Preisexplosion: Die Preise an der LME haben die Marke von 3.500 USD pro Tonne überschritten . Physische Prämien in Europa und den USA erreichten Rekordhochs, da Bestände aus dem Golf nicht mehr abfließen können.
  • Zusatzrisiko Guinea: Gleichzeitig hat Guinea neue Bauxit-Exportquoten eingeführt, was die Rohstoffversorgung für verbleibende Schmelzhütten weltweit weiter verknappt.

Einblick 2: Edelstahl – Surcharge-Schock durch Ferrochrom und Energie

Obwohl der Nahe Osten kein Hauptproduzent von Edelstahl ist, treibt der Konflikt die Preise über die Vorprodukte und Energiekosten nach oben .

  • Legierungszuschläge: Für April 2026 sind die europäischen Zuschläge für die Güte 1.4301 (304) um ca. 3,6 % und für die chromintensive Güte 1.4016 (430) um über 5,4 % gestiegen . Haupttreiber ist der sprunghafte Anstieg der Ferrochrom-Preise aufgrund logistischer Stopps im Iran .
  • Der indonesische Faktor: Indonesien, der größte Nickelproduzent, bezieht 75 % seines Schwefels für die HPAL-Verarbeitung aus dem Nahen Osten . Die Blockade von Hormus gefährdet diese Lieferkette und droht die Nickelproduktion für die Batterie- und Edelstahlindustrie zu verteuern .

Einblick 3: Logistik & Handel – Die neue Realität an der Straße von Hormus

Die Straße von Hormus bleibt trotz des Waffenstillstands ein Chokepoint. Iran kontrolliert den Transit streng und hat ein System von Durchgangsgebühren eingeführt .

  • „Tolls“ und Krypto: Schiffe, die die Meerenge passieren wollen, müssen Vorab-Informationen liefern und Gebühren von teilweise über 1 Million USD pro Schiff entrichten, oft gefordert in Kryptowährungen .
  • US-Sektion 232: Seit dem 6. April 2026 gelten in den USA verschärfte Zölle auf Basis des vollen Zollwerts (statt nur des Metallwerts). Die Sätze liegen für viele Stahl- und Aluminiumprodukte bei 50 %. Russisches Aluminium wird nun mit einem Zollsatz von 200 % belegt .
  • EU CBAM: Importeure in der EU müssen seit Januar 2026 Emissionszertifikate für Stahl und Aluminium erwerben. Bei aktuellen CO2-Preisen bedeutet dies für kohlenstoffintensive Importe (z. B. aus Indien oder China) Zusatzkosten von 40 bis 60 EUR pro Tonne.

Einblick 4: Strategische Empfehlungen für den Einkauf

Einkaufsabteilungen sollten ihre Strategie von „Just-in-Time“ auf „Just-in-Case“ umstellen.

  1. Sicherheitsbestände: Erhöhen Sie die Lagerreichweite für kritische Legierungen und Spezialgüten, die nicht kurzfristig in Europa substituiert werden können.
  2. Reshoring: Prüfen Sie die Verlagerung der Beschaffung auf lokale europäische Werke, um die unkalkulierbaren Frachtrisiken und CBAM-Kosten zu minimieren.
  3. Vertragsprüfung: Force-Majeure-Klauseln müssen angesichts der Kriegsereignisse und Sanktionsrisiken (insbesondere bei Gebührenzahlungen in Kryptowährungen) juristisch neu bewertet werden .

Ausblick: Eine Marktberuhigung ist vorerst nicht in Sicht. Selbst bei einer dauerhaften Deeskalation werden die strukturellen Schäden an der Infrastruktur und die neuen Handelsbarrieren das Preisniveau im zweiten Halbjahr 2026 hoch halten.

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